FRIESDORF.  Am Sonntag ist er 72 Jahre alt geworden. Gefeiert hat Pee Wee Ellis das allerdings schon am Donnerstag: bei der fünften Soul-Preacher-Night in der Friesdorfer Pauluskirche. Für die rund 500 Besucher dort war es jedenfalls ein Fest. Gut zwei Stunden mit dem legendären Saxofonisten, der 1965 James Brown vorgestellt wurde, von 1966 bis 1969 dessen Bandleader war und für ihn - neben Stücken wie "Say It Loud, I'm Black & I'm Proud" - den Welthit "I Feel Good" geschrieben hat.

Man muss nun kein profunder Kenner des Soul sein, um eines sofort zu spüren: Mit Starallüren hat der Mann im schlichten dunkelgrauen Anzug und dem gestreiften Hemd so gar nichts gemein. Er ist die Ruhe selbst: halb auf dem roten Barhocker sitzend, halb stehend, ein freundliches Lächeln, mal verschmitzt, beinahe schon schüchtern.
Jedenfalls auf ausgesprochen sympathische Art und Weise bodenständig. Bis er dann aufsteht, das Mundstück ansetzt und zu spielen beginnt. Dann spätestens wissen die einen, warum sie nach Pee Wee Ellis' umjubeltem Auftritt in der Pauluskirche vom November 2010 einfach wiederkommen mussten, und die anderen mögen ahnen, dass ihnen damals wohl etwas entgangen ist.

Macht nichts: Pee Wee Ellis und Band – Tony Remy (Gitarre), Patrick Scales (Bass), Jason Rebello (Keyboard) und Guido May (Schlagzeug) – holen diesen Rückstand spielend auf. Und Lillian Boutté aus New Orleans sorgt für einen wahren Gänsehaut-Moment, als sie das „Vater Unser“ anstimmt. Bevor sie sich keck und galant von Ellis auf die Bühne bitten lässt, um dort nach dem Spiritual „In The Upper Room“ mit einem weiteren unvergesslichen Brown-Klassiker aufzuwarten: „It's a Mans World“. Auch wenn man sich angesichts des Temperaments und des Charmes dieser Sängerin fragt, ob das denn unbedingt so stimmen muss.

Sei's drum: Dieser Abend, den Pfarrer Siegfried Eckert und dessen "Soulbruder" Heinrich Buttler organisiert haben, gehört Ellis und seinem Saxofon, das in einem Augenblick an das meisterhafte Finale von "Dark Side of the Moon" erinnert und im nächsten wie bei einem Konzert des ebenfalls legendären Soul-Musikers Wilson Pickett klingt; mitten in der "Midnight Hour". Dazu gibt es ein bisschen Motown hier, ein bisschen Funk dort und dazwischen noch die wunderbare Ballade "Blue Bell Pepper", um der Farbskala von Ellis Instrument an dieser Stelle ein paar dunkle Töne hinzuzufügen.

Natürlich darf zu guter Letzt auch "das Ding schlechthin" nicht fehlen, und die ersten Zuhörer in der Pauluskirche geraten schon aus dem Häuschen als Pee Wee Ellis – nach inzwischen rund zwei Stunden beeindruckend gut in Form – die ersten Töne des Stückes spielt, das Boutté mit süffisantem Lächeln aufgreift und ausführt: "I Feel Good". Liegt es daran, dass das Weihnachtsalbum, das sie mit Ellis und Band vor wenigen Tagen aufgenommen hat, „m Kasten“ ist oder an der Stimmung dieser Soul-Night. So wie einer ihrer Besucher am Ausgang zu Eckert meint. "Reverend, that's the best."

Text von Ulrike Strauch

Foto von Horst Müller

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