Wie schon beim ersten Konzert im November 2010 nahmen wir auch im April 2013 die Gelegenheit beim Schopf und kombinierten eine CD-Aufnahme von Pee Wee Ellis mit einem Konzert bei uns in der Pauluskirche. Am 18. April 2013 kam die Saxophon-Legende mit Lillian Boutté und seiner Band direkt vom Aufnahmestudio in Köln zu uns nach Bonn. Die Pauluskirche ist im Innenteil des CD-Booklets prominent zu sehen (siehe buttler-photography.de). Mehr Bilder vom Konzertabend finden Sie in unserer Galerie. Wer das Live-Programm zur CD sehen möchte, kann im Dezember diese Termine wahrnehmen.

 

 

Am 18. April 2013 war Pee Wee Ellis zum 3. Mal Gast in der Pauluskirche. Wir feierten mit ihm nicht nur die 5. Soul Preacher Night sondern auch sein 50-jähriges „Recording-Jubiläum“. Am Konzerttag holte ich Pee Wee aus dem Aufnahmestudio in Köln ab und brachte ihn direkt zum Sound-Check in die Pauluskirche. Die erste mir bekannte Studioaufnahme von Pee Wee Ellis stammt aus dem Jahr 1963.

Er gab sein Debüt als Gast der Laddins, eine Formation aus Harlem in New York. Zusammen nahmen sie den Titel „Dizzy Jone’s Birdland“ auf. Als Songwriter sind "A. Ellis - E. Marcus" angegeben. Die Vinylsingle erschien im Spätjahr 1963 im Handel; (Butane Records Nr. 779, produziert von Bob Yorey). Das Bild rechts zeigt ein Werbefoto von Alfred "Pee Wee" Ellis aus dem gleichen Jahr. Er trat in dieser Zeit ab und zu mit Sir Ron Carter auf und hatte seine erste eigene Band, die „Dynamics“ bereits gegründet. Das Foto stammt aus dem Privatarchiv des Künstlers. Thanks Pee Wee!

Hier ein verkürzter Sound-Clip zum Reinhören.
Man beachte die Background-Vocals: "... work Pee Wee work ..."

 

Dieses Studioalbum von Pee Wee Ellis brachte indirekt die Soul Preacher Night als Live-Konzertserie an den Start. Als im Sommer 2010 Fred Wesley sein neues Album "With A Little Help From My Friends" in Bonn Beuel einspielte (mehr siehe Blog-Eintrag unten), lernte ich den CD-Produzenten Joachim Becker kennen und vermittelte den Kontakt zu Pee Wee Ellis. Schnell wurde für den 6. und 7. November 2010 ein Termin für eine neue CD-Aufnahme vereinbart.

Für die Vermittlung dieser Zusammenarbeit und angetan von der Idee in einer Kirche zu spielen, willigte Pee Wee Ellis sofort ein am Tag vor den Studioaufnahmen, also am 5. November 2010, in der Pauluskirche aufzutreten. Bei einem Treffen zuvor schrieb Ellis Pfarrer Eckert in eine CD "I want to play in your church". So macht man Verträge! Das Konzert war gleichzeitig der Start der Evangelischen Thomasstiftung Bad Godesberg. Pee Wee Ellis wurde so enthusiastisch begrüßt, dass sein erster Satz auf der Bühne lautete: "I never had a welcome like that". Bei „uns“ testete er seine neuen Kompositionen wie "Slanky", "Zig Zag" und "Bon Bonn". In den 48 Stunden danach nahm er die Doppel-CD! auf und seine Frau und Managerin Charlotte Crofton-Sleigh sagte zu uns anschließend. "They took the spirit from the church into the studio".

Das Doppelalbum enthält insgesamt elf Titel und ist eine spannende Reise durch alte und neue Kompositionen von Ellis, der unter anderem von ca. 1965 bis 1969 musikalischer Direktor von James Brown war. So findet man auf dem neuen Album zwei Titel, die er in anderer Form 1968 bereits schon einmal auf dem links abgebildeten Album „Nothing But Soul“ von James Brown aufnahm. Es handelt sich um die beiden Stücke "Gittin’ A Little Hipper" und "Go On Now", welches Ellis kurzerhand in "Now Go On" umtaufte, weil er im neuen Arrangement einige Dinge ausgetauscht hatte. Weiter zu hören sind großartige Coverversionen bekannter Jazz-Standards beispielsweise von Eddie Harris und Julian "Cannonball" Adderly. Ein Muss für Jazz- und Funkliebhaber.

Hier fürs Internet gekürzte, einminütige Soundclips
(die CD können Sie hier auf amazon kaufen)

"Bon Bonn"

"Gittin' A Little Hipper"



Blue Thumb Records im Ariola-Vertrieb brachte 1973 eine LP auf den Markt, die sich „The Best Of Ike and Tina Turner“ nennt, was für mich auf wundersame Weise zutrifft. Die 12 Titel auf dem Album beinhalten zwar Klassiker wie „Rock Me Baby", „I've Been Loving You Too Long" oder „You Got Me Running", jedoch keines dieser Lieder spielte jemals eine Rolle in der Karriere des legendären Soul-Duos. Vielmehr klingt die LP wie eine in sich geschlossene Aufnahme aus einer einzigen „Session“. Blues und antreibender Soul pur! Hier ausgewählt habe ich ein Lied, das etwas aus dem energetischen Stil des Albums ausbricht, sich zurücklehnt und dabei tief in die Seele von Tina Turner blicken lässt. Es handelt sich um den Gospel-Standard „I Am A Motherless Child", bei dem die rauchige Stimme von Tina Turner, die eher für ihre „Rockröhre“ bekannt wurde, besonders gut zur Geltung kommt. Gast unserer Soul Preacher Night Fred Wesley kennt Ike & Tina Turner übrigens aus alten Tagen. Als deren Show in Mobile Alabama 1963 Station machte, wo Wesley aufwuchs, suchte Ike Turner einen Bariton-Saxofonisten für seine Band. Der damals 19-jährige Fred Wesley sagte zu Ike Turner er könne alles auf der Posaune spielen, was ein Bariton-Saxofonist zu spielen vermag. Ike Turner lachte nur, glaubte Wesley nicht, lud ihn aber zum Sound-Check ein. Wesley bekam den Job und spielte Konzerte für 25 US-Dollar pro Auftritt. Nachzulesen in Wesley's Buch „Hit Me Fred, Recollections Of A Sideman“. Erhältlich bei amazon und in Fred's Store auf seiner Website.

Ike & Tina Turner
„I'm A Motherless Child“ (gekürzter Clip, 1973, Blue Thumb Records 87 823 ET)
Diesen Song bei amazon als Download kaufen.

Neben den „großen“ Persönlichkeiten der Soulmusik gab es unzählige R&B-Künstler, die ebenfalls über ein außergwöhnliches Talent verfügen oder verfügten. Selbst von Liebhabern der Soulmusik oft nicht beachtet gibt es Sänger, die verdienen, dass man von ihnen spricht. Ein solcher Künstler ist mit Sicherheit James Carr. Seine Stimme wurde oft mit der von Otis Redding verglichen, was vielleicht der Grund war, warum sein Stern nie so richtig scheinen sollte. Carr nahm jedoch in den 60er-Jahren – wenn schon kein eigenes Album – einige Singles auf dem Goldwax Label in Memphis auf. Er wurde 1942 als Sohn eines Baptisten-Predigers geboren und verstarb im Januar 2001. Ein kleiner Geheimtipp aus dem Jahr seines Todes ist eine Zusammenstellung seiner Singles auf der CD The Complete Goldwax Singles“. Diese finden Sie hier bei amazon. Der gekürzte Soundclip (bitte CD mit 33 Songs kaufen!) spielt eine sehr puristische Version von „You're pouring water on a drowning man“. Ein Song mit dem Percy Sledge in den 60er-Jahren einen Hit hatte. Diese Version ist meines Erachtens bemerkenswerter.

 

 

Zusätzliche Informationen